Sonntag, 03 Juni 2012 11:41

Alles ist relativ - auch der Preis

geschrieben von 
Artikel bewerten
(2 Stimmen)
Heute mal ein etwas anderes Thema: In diesem Artikel erfahrt ihr warum für Lebensmittel die Angabe und der Vergleich von Kilopreisen irreführend sein kann und was ein Ausweg ist.

Zunächst möchte ich anmerken, dass ich es natürlich begrüße wenn der Kundschaft im Lebensmitteleinzelhandel die aufwändige Kopfrechenarbeit abgenommen wird, aus einem Gewicht und einem Preis den entsprechenden Preis pro Kilogramm oder Liter zu berechnen. Einige Schwächen hat dieses System der sogenannten "Grundpreisauszeichnung" jedoch. Rechtlich sicher weniger, eher praktische und finanzielle. Ich werde hier noch mal etwas ausholen. (Wen die Grundlagen der Grundpreisauszeichnung nicht interessieren, kann einfach zum nächsten Punkt springen)

Die Grundpreisauszeichnung

Im Grunde geht es bei der Grundpreisauszeichnung daraum, dass für ähnliche Lebensmittel leicht die Preise verglichen werden können. An einem (fiktiven) Beispiel lässt sich das am einfachsten erklären:

Im Regal im Supermarkt stehen zwei Packungen mit Sonnenblumenkernen von unterschiedlichen Firmen direkt nebeneinander. Dass dies aus Gründen der Verkaufsförderung so nicht oder nur selten passiert, ist ein anderes Thema - vielleicht schreibe ich dazu auch noch mal ein paar Worte). In der einen befinden sich

  • 400 g zum Preis von 1,95 € (Produkt Wunderkern)
    und in der anderen Tüte
  • 250 g zum Preis von 1,10 € (Produkte Sonnenwiese).

So müsste man jetzt im Normalfall erst Mühsam den Vergleichspreis ausrechnen. Glücklicherweise ist dieser aber schon ausgerechnet. Das kann man auch leicht selbst machen indem man folgendes in den Taschenrechner eingibt oder im Kopf rechnet:

  • Preis durch Gewicht in Kilogramm = Preis pro kg (1 kg = 1000 g)
  • Produkt Wunderkern: 1,95 € / 0,4 kg = 4,875 €/kg
  • Produkt Sonnenwiese: 0,99 € / 0,25 kg = 3,96 €/kg

Nun kann man hin und wieder feststellen, dass der Preis auf der kleineren Verpackung in €/100g angegeben ist:

  • Produkt Sonnenwiese: (0,99 € / 0,25 kg) / 10 = 0,396 € pro 100g

Möglich ist diese Angabe bei allen Mengen, die 250 g oder ml nicht übersteigen. Zu beachten ist bei Konserven jedoch, dass dort nicht das Füllgewicht zählt, sondern das Abtropfgewicht.

Wir könnten jetzt also anhand dieser Werte schnell sagen, welche Sonnenblumenkerne die billigeren sind: Produkt Sonnenwiese. Ob das nun die besseren sind, ist eine andere Frage. Wer nicht nur sparen will, sollte auch darauf achten, wo das Produkt herkommt (lokal ist oft besser als von weit her eingeflogenes), oder welche Qualität es hat (Bio, Demeter, "normal", etc.).

Aber Achtung: Wie die Verbraucherzentrale in einem Marktcheck im Sommer 2010 festgestellt hat, sind die Grundpreisangaben in 11% der Fälle falsch berechnet, in 40% wurden falsche Bezugsgrößen verwendet (z.B. Preis pro Kilogramm Gesamtgewicht, statt wie es richtig Wäre pro Kilogramm Abtropfgewicht). Inzwischen dürften die Märkte aber sicherer mit den Berechnungen umgehen. Kurz die Werte überschlagen schadet aber nie. So käme man bei Sonnenwiese auf folgendes

  • 1 * 4 = 4 € pro kg (mal 4, weil 1000g/250g = 4, dementsprechend müsste man bei 200g mal 5 rechnen oder bei 400g mal 2,5)

Warum der Wert nicht sagen kann, was günstiger ist

Nun zum eigentlichen Problem dieser Angaben. Wer wirklich aufs Geld achten muss oder will, kann diesen Wert zwar als Orientierung nehmen, aber wirkliche Auskunft über den Preis einer Mahlzeit/Verwendung/wie auch immer gibt er nicht. Noch ein Beispiel:

Wir haben zwei Packung geschnittes Brot zu je 500 g. Beide kosten 0,75 €. Welche ist nun billiger? Sind doch beide gleich teuer, werden die meisten denken. Bei vielen solcher Produkte wird man jedoch feststellen, dass es Unterschiede in der größe einer Portion gibt (ich meine nicht diese völlig realitätsfernen Portionsangaben auf den Verpackungen, denen dann Kalorien, Fett, usw. ausgewiesen wird). Es ist viel einfacher: In der einen Packung Brot sind 9 Scheiben enthalten, in der anderen 10. Ich denke es wird klar, worauf ich hinaus will.

  • Brot 1 mit 9 Scheiben kostet pro Scheibe 0,083 € (=0,75 € / 9 Scheiben)
  • Brot 2 mit 10 Scheiben kostet pro Scheibe nur 0,075 € (=0,75 € / 9 Scheiben)
  • Brot 1 ist also etwa 11 % teurer als Brot 2 - und das obwohl der Preis pro Kilogramm gleich ist.

So oder so ähnlich sieht es bei vielen Produkten aus. Besonders sind davon auch Brotaufstriche betroffen. Inbesondere die Feinkostsalate. Sind große Stücke darin enthalten, sollten die Alarmglocken für Preisbewusste schlagen. Sobald nämlich große Stücke enhalten sind, kann man weniger Scheiben Brot damit belegen. So kann aus einem Feinkostsalat für 1,50 € pro Packung schnell ein teurer Spaß werden, weil er nur für 3 kleine Schnitten reicht, während ein anderer Salat für 1,50 € für gut 10 Scheiben Brot reichen kann. Hier sind es 50ct pro Schnitte gegen 15ct pro Schnitte - also gut drei mal mehr.

Auch bei fertig abgepacktem Obst und Gemüse ist vorsicht geboten: Da kann es vorkommen dass in einer Packung Äpfel nicht mehr 6, sondern nur noch 5 Stück drin sind. Obwohl das Gewicht das gleiche sein mag, ist der Preis pro Stück dann doch deutlich teurer. 

Fazit

Wir haben also gesehen, dass Grundpreisangaben einen Preisvergleich erleichtern können, z.B. bei nahezu identischen Produkten (Mehl, Salz, Waschmittel, etc.). Wir haben aber auch gelernt, dass sobald es um Produkte geht, die feste Portionsgrößen (Scheiben Brot z.B.) vorgeben, besser ist den Preis pro Portion zu vergleichen, statt den Preis pro Kilogramm.

Meine Tipps lauten also:

  • Grundpreise selbst überschlagen (vom Markt richtig gerechnet?)
  • Preis pro Portion selbst berechnen (Preis in € geteilt durch die Anzahl der Portionen)
  • Wenn sinnvoll den Preis pro Portion vergleichen
  • Auch mal einen Blick auf die Qualität, Herstellung und Transport werfen (wurden Pestizide verwendet, müssen weite Strecken zurückgelegt werden, kann man die Region fördern, indem man Lokales kauft?)
  • Und natürlich ganz wichtig: Der Unterschied zwischen Verfallsdatum und Mindesthaltbarkeitsdatum (MHD). Denn das Verfallsdatum ist nicht gleich MHD. Wenn das MHD verstrichen ist, muss das Produkt nicht automatisch weggeschmissen werden. Wegschmeißen ruiniert nicht nur die Umwelt, sondern auch die ganze Mühe des Preisvergleichens.

Ich hoffe diese Tipps haben ein bisschen zum Nachdenken angeregt. :)

Gelesen 1739 mal Letzte Änderung am Sonntag, 03 Juni 2012 17:24

Sebastian

Sebastian studied Business Education and has a particularly strong interest in Serious Games and Gamification. His love for all things Tech, e.g. PCs, Internet, steadily grew since he played his first computer games, that came on a tape. Looking at things from all possible angles is equally important to him as learning something new every day.

You can try to pigeonhole him - it wouldn't work. There's always something unexpected waiting for you.

We use cookies to improve our website and your experience when using it. Cookies used for the essential operation of the site have already been set. To find out more about the cookies we use and how to delete them, see our privacy policy.

I accept cookies from this site.

EU Cookie Directive Module Information